Bertzit-Turm

Bertzit-Turm

 

In unmittelbarer Nähe des Kraftwerk Plessas befindet sich der Bertzit-Turm. Er ist eine Investitionsruine im Norden von Kahla, einem Ortsteil der südbrandenburgischen Gemeinde Plessa im Landkreis Elbe-Elster, und bildet eine in der Niederung der Schwarzen Elster weithin sichtbare Landmarke. 

 

Die Industrialisierung der Elbe-Elster-Region begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Entdeckung von Braunkohlevorkommen und dem Bau der ersten Eisenbahnstrecken. Auf Initiative des preußischen Oberstleutnants Hermann von Ploetz, der seit 1856 auf dem Gut in Döllingen bei Elsterwerda ansässig war, wurde auf dessen Ländereien erfolgreich nach Kohle gebohrt, sodass am 1. April 1857 aus dem Schacht „Emilia“ erstmals in der näheren Umgebung Braunkohle im Tiefbau gefördert wurde. Nachdem diese und weitere rasch entstandene Gruben wie die westlich gelegene Grube „Robert“ nach kurzer Zeit wieder aufgegeben worden waren, eröffnete die Döllinger Bergbaugesellschaft im Jahr 1911 nördlich der Bahnstrecke Falkenberg–Kohlfurt die Tiefbau-Braunkohlengrube „Ada“.

 

Das dortige Kohleflöz besaß eine Mächtigkeit von etwa 4 Metern unter einem 30 Meter starken Deckgebirge, und der Abbau erfolgte im Pfeiler-Bruch-Verfahren, bei dem die Kohle mittels Haspel und Elektromotor über eine schiefe Ebene zu Tage befördert wurde. Vor Ort befanden sich Kohletrocknungsanlagen und zwei Brikettpressen, um die stückige Rohkohle an regionale Abnehmer zu veräußern, während die minderwertigere Kohle zur Eigenversorgung mit Dampf und Elektroenergie genutzt wurde. Im ersten Jahr nach dem Ersten Weltkrieg erreichte die Grube mit bis zu 170 Beschäftigten auf einer Fläche von 118.000 Quadratmetern wieder ihre Jahresproduktion von 1914 in Höhe von 58.000 Tonnen. 

 

Bereits im September 1915 hatte die Zeche bei der Bergbehörde in Senftenberg den Bau einer Veredelungsanlage beantragt, woraufhin 1920 der 35 Meter hohe Bertzit-Turm als quadratischer Stahlbeton-Skelettbau errichtet wurde. Er war Teil einer geplanten Fabrikanlage, in der das von Camillo Mahnhardt in Pasing entwickelte Bertzit-Verfahren zur Trocknung von minderwertigen, feuchtigkeitsreichen Brennstoffen angewendet werden sollte. Da der Anteil lignitischer Kohle in der Grube hoch war, erschien das Verfahren attraktiv, weil es durch ein unter Luftabschluss durchgeführtes Reaktionsverfahren bei 250 bis 300 °C einen hochwertigen, dem Anthrazit ähnlichen Brennstoff erzeugen und den Heizwert pro Volumen- oder Gewichtseinheit verdoppeln sollte. Als Mehrheitsgesellschafter fungierten die Bertzit-Aktiengesellschaft in Berlin-Charlottenburg sowie die Bertzit-Gesellschaft mbH in München, während die Döllinger Bergbaugesellschaft vermutlich als Minderheitsgesellschafter einen Sitz im Aufsichtsrat hielt. 

 

Der Bau wurde jedoch nie vollendet, was regionale Historiker auf die technologische Unreife des zuvor nie im großen industriellen Maßstab erprobten Verfahrens zurückführen. In der Folge sank die Rentabilität, weshalb die Braunkohlenförderung in Kahla 1929 heruntergefahren und die Grube „Ada“ 1930 als letzte Tiefbaugrube im Landkreis Liebenwerda stillgelegt wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Kohle im Braunkohlenrevier Lauchhammer bereits überwiegend im Tagebau gewonnen, nachdem Bergwerksdirektor Friedrich von Delius 1924 in der benachbarten Grube „Agnes“ in Plessa die erste Abraumförderbrücke der Welt in Betrieb genommen und damit den Abbau extrem rationalisiert hatte. Das Zechenbuch der Grube wurde noch Anfang der 1990er-Jahre bei der Bergbehörde aufbewahrt. 

Das Bauwerk, dessen Ähnlichkeit mit einem bayerischen Kirchturm oder dem Leuchtturm von Alexandria der damaligen Industriekultur entsprach, gilt heute als älteste Investitionsruine der Region und steht mitsamt den Resten der Anlage sowie weiteren Industriebauten der Grube unter Denkmalschutz, ist inzwischen jedoch weitgehend sich selbst überlassen und fungiert ebenfalls wie das Krafwerk Plessa als „Lost Place“.

 

 

 

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