Biotürme

Biotürme

1. Was sind die Biotürme?

Die Biotürme sind markante Industrieanlagen aus der Zeit der DDR und zählen heute zu den bekanntesten technischen Bauwerken der Lausitz. Ursprünglich dienten sie der biologischen Reinigung von Abwässern aus der Brikettproduktion.

Die Türme wurden zur Abwasseraufbereitung in der Braunkohleveredelung          eingesetzt. Ziel war es, stark belastetes Industrieabwasser vor der Einleitung in        umliegende Gewässer zu reinigen.Dies war ein wichtiger Schritt zur Reduzierung von Umweltschäden in einer stark industrialisierten Braunkohle-Region.

Im Inneren der Biotürme liefen biologische Reinigungsprozesse ab.                            Mikroorganismen bauten organische Schadstoffe ab, indem das Abwasser über mehrere Ebenen verteilt und belüftet wurde. Dieser damals innovative Ansatz nutzte natürliche biologische Vorgänge in großtechnischem Maßstab.

 

2Fakten

Die Biotürme wurden Ende der 1950er-Jahre errichtet und Anfang der 1960er-Jahre in Betrieb genommen.

Jeder Turm ist rund 50 Meter hoch und prägt damit bis heute deutlich die               Silhouette der Umgebung.

Technische Daten

Tragende Struktur aus rund geklinkertem Mauerwerk

Mehrgeschossiger Innenaufbau mit technischen Einbauten

Ausgelegt für große Mengen industriellen Abwassers

Kombination aus mechanischer und biologischer Reinigung

 

3. Geschichte

Die Biotürme entstanden im Kontext des massiven Ausbaus der Braunkohleindustrie in der DDR. Sie waren Teil eines groß angelegten Industriekomplexes zur       Energie- und Brennstoffversorgung. Zu Zeiten ihres aktiven Betriebs waren die Biotürme rein funktionale Bauwerke ohne repräsentativen Anspruch. Sie standen für Fortschrittsglauben, industrielle Leistungsfähigkeit, aber auch für die enormen Umweltbelastungen dieser Epoche.

 

4. Umnutzung im Rahmen der IBA

Im Zuge der Internationalen Bauausstellung wurde das Areal neu gedacht. Die IBA Fürst-Pückler-Land verfolgte das Ziel, bedeutende Industriebauten zu erhalten und ihnen neue kulturelle und gesellschaftliche Funktionen zu geben.

Die Biotürme wurden dabei als Landmarke gesichert und in ein Gesamtkonzept aus Industriekultur, Landschaft und Erinnerung integriert. Einer der Türme wurde mit einer verglasten Aussichtskanzeln ausgestattet, von denen Besucher weit über das Gelände der ehemaligen Groß-Kokerei schauen können. Aktuell ist diese     Aussichtsplattform aus Sicherheitsgründen nicht begehbar.

 

5. Fazit

Heute sind die Biotürme ein weithin sichtbares Symbol für den industriellen     Wandel der Lausitz. Sie stehen für Technikgeschichte, Strukturwandel und den bewussten Umgang mit dem industriellen Erbe.

Gleichzeitig erinnern sie an die ökologischen Folgen der Braunkohleindustrie. Ihre heutige Rolle ist weniger funktional als vielmehr mahnend und reflektierend. 

Ein Denkmal für Fortschritt und seine Schattenseiten.

 

 

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