IBA SEE
Impulse für den Strukturwandel - Eine Bauausstellung für eine ganze Region
Die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land (IBA SEE) begleitete von 2000 bis 2010 den Wandel der Lausitz nach dem Ende vieler Tagebaue. Ziel war es, die Bergbaufolgelandschaft nicht nur als Herausforderung, sondern als Chance zu verstehen und neue Perspektiven für Landschaft, Wirtschaft und Tourismus zu entwickeln. Mit rund 30 Projekten entstanden neue Impulse für Industriekultur, Landschaftsplanung und Freizeit. Aus ehemaligen Tagebauen entwickelte sich das Lausitzer Seenland – eine der größten künstlichen Wasserlandschaften Europas. Viele Projekte prägen die Region bis heute.
Warum entstand die IBA SEE?
Nach der deutschen Wiedervereinigung stand die Lausitz vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Viele Tagebaue und Industrieanlagen wurden geschlossen, Arbeitsplätze gingen verloren und große Landschaftsbereiche mussten neu entwickelt werden. Im Jahr 2000 wurde deshalb die Internationale Bauausstellung FürstPückler-Land ins Leben gerufen. Benannt nach dem Landschaftsgestalter Hermann Fürst von Pückler-Muskau, verfolgte sie das Ziel, neue Ideen für die Zukunft der Region zu entwickeln. Aus ehemaligen Tagebauen sollten Seen, Naturräume, touristische Angebote und wirtschaftliche Perspektiven entstehen.
Was ist eine Internationale Bauausstellung (IBA)?
Eine Internationale Bauausstellung ist ein zeitlich begrenztes Programm zur Entwicklung von Städten, Landschaften und Regionen. Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Gebäude, sondern innovative Konzepte für ganze Räume. Gemeinsam mit Kommunen, Fachplanenden, Wissenschaft, Unternehmen und der Bevölkerung werden Ideen entwickelt und in Modellprojekten umgesetzt. Ein wichtiges Vorbild für die Lausitz war die IBA Emscher Park (1989–1999) im Ruhrgebiet, die den Wandel einer ehemaligen Industrieregion aktiv gestaltete. Zeitstrahl Internationale Bauausstellungen (IBA)
- 1901 – Erste Internationale Bauausstellung in Darmstadt Die erste IBA findet auf der Mathildenhöhe in Darmstadt statt. KünstlerInnen und ArchitektInnen entwickeln neue Ideen für Architektur, Gestaltung und Lebensräume.
- 1927 – IBA „Die Wohnung“ in Stuttgart Mit der Weißenhofsiedlung setzt die IBA neue Maßstäbe im modernen Wohnungsbau. Themen wie funktionales Wohnen und neue Bauformen stehen im Mittelpunkt. ↓
- 1957 – Interbau Berlin Die IBA in West-Berlin zeigt neue Konzepte für den modernen Städtebau und den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. ↓
- 1984–1987 – IBA Berlin Die IBA Berlin beschäftigt sich mit Stadterneuerung und dem Umgang mit historischer Bausubstanz. Neben Neubauten liegt der Fokus auf der behutsamen Weiterentwicklung bestehender Stadtquartiere. ↓
- 1989–1999 – IBA Emscher Park im Ruhrgebiet Erstmals steht nicht ein einzelnes Gebäude, sondern eine gesamte Region im Mittelpunkt. Ehemalige Industrieflächen werden umgenutzt, neue Landschaftsräume entstehen und der Strukturwandel einer Industrieregion wird aktiv gestaltet. ↓
- 2000–2010 – IBA Fürst-Pückler-Land (IBA SEE) in der Lausitz Die IBA begleitet den Wandel einer ehemaligen Braunkohleregion. Aus Bergbaufolgelandschaften entstehen neue Seenlandschaften, touristische Angebote und Projekte zur regionalen Entwicklung. ↓
- 2002–2010 – IBA Stadtumbau Sachsen-Anhalt Die IBA beschäftigt sich mit den Folgen des Bevölkerungsrückgangs und entwickelt neue Strategien für schrumpfende Städte. ↓
- 2003–2010 – IBA Hamburg Die IBA Hamburg entwickelt Konzepte für eine wachsende Stadt und beschäftigt sich mit Themen wie Integration, Klimaanpassung und nachhaltiger Stadtentwicklung. ↓
- 2010–2023 – IBA Basel Erstmals arbeitet eine IBA grenzüberschreitend. Die Region Basel entwickelt gemeinsame Strategien für Raumplanung und nachhaltige Entwicklung über Ländergrenzen hinweg. ↓
- Heute – IBA als Instrument für Zukunftsfragen Aktuelle Internationale Bauausstellungen beschäftigen sich mit Herausforderungen wie Klimawandel, nachhaltiger Stadtentwicklung, neuen Mobilitätskonzepten und der Transformation von Regionen.
Ablauf der IBA SEE (2000–2010)
Über zehn Jahre entwickelten Kommunen, Planungsbüros, Wissenschaft, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger gemeinsam Ideen für die Zukunft der Lausitz. In Wettbewerben, Workshops und Fachveranstaltungen wurden Konzepte entwickelt und anschließend in konkrete Projekte umgesetzt. Die Arbeit konzentrierte sich auf sieben Themenfelder: Industriekultur, Wasserlandschaften, Energielandschaften, Stadtlandschaften, Zwischenlandschaften, Grenzlandschaften und Neuland. Nach dem Abschluss im Jahr 2010 wurden die Projekte an Kommunen und andere Träger übergeben und werden bis heute weiterentwickelt.
- IBA-Auftaktgebiet Großräschen-Süd
- Besucherbergwerk F60
- Schwimmendes Erlebniszentrum "Sonne"
- Erlebnis-Kraftwerk Plessa
- Biotürme Lauchhammer
- Industriepark & Gartenstadt Marga
- SeeStadt Senftenberg
- Landmarke Lausitzer Seenland
- Schwimmende Häuser Geierswalde
- Lagunendorf Sedlitz
- Schwimmender Steg Sedlitzer See
- Marinapark Sedlitzer See
- Landschaftsprojekt Welzow
- Energielandschaft Welzow
- Fürst-Pückler-Park Bad Muskau
- Geopark Muskauer Faltenbogen
- Gubiner Hauptkirche
- Gubener Wolle - Neisseinsel - Haus Wolf
- Cottbuser Ostsee
- Fürst-Pückler-Park Branitz
- Großsiedlung Sachsendorf-Madlow
- Slawenburg Raddusch
- Wasserreich Spree
- Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen
- Kulturlandschaft Fürstlich Drehna
- Landschaftskunstwerk "Die Hand"
- Schwimmende Häuser Gräbendorfer See
- Kunstlandschaft Pritzen
- ENERGIE-Route Lausitzer Industriekultur
- Fürst-Pückler-Weg (Karte mit den 30 Projekten)
Die Projekte der IBA SEE
Im Rahmen der IBA entstanden insgesamt 30 Projekte, die den Wandel der Lausitz sichtbar machen. Sie verbinden Industriekultur, Landschaftsentwicklung und Tourismus. Ehemalige Industrieanlagen wurden erhalten, neue Landschaftsräume geschaffen und die entstehende Seenlandschaft erlebbar gemacht. Projekte:
Bedeutung der IBA SEE heute
Die Projekte der IBA SEE bilden bis heute eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der Lausitz. Sie zeigen, wie aus einer ehemaligen Bergbauregion neue Landschaften, Freizeitangebote und wirtschaftliche Perspektiven entstehen können. Der Wandel bleibt jedoch eine langfristige Aufgabe. Die Bergbaufolgelandschaft muss aufwendig saniert werden, da Böden und Wasserhaushalt stark verändert wurden. Durch Rekultivierung entstehen neue Nutzungen wie Seen, Wälder oder Landwirtschaftsflächen. Die Renaturierung schafft dagegen natürliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere.
Vergessene Orte des Braunkohleabbaus:
Einige Anlagen/Maschinen des ehemaligen Braunkohleabbaus sind bis heute noch nicht für die Öffentlichkeit erschlossen. Dazu gehören auch IBA-Projekte, welche geplant und nie durchgeführt wurden.
- Erlebnis-Kraftwerk Plessa
- Döllinger-Turm
- Schaufelbagger "Blaues Wunder





