F60 Besucherbergwerk

F60 Besucherbergwerk am Berghaider See

 

F60 – Ein technisches Denkmal des Braunkohlebergbaus

Technische Daten

Die Dimensionen der Förderbrücke verdeutlichen die industrielle Bedeutung des Braunkohleabbaus in der Lausitz:

  • Länge: 502 Meter  
  • Höhe: bis zu 80 Meter 
  • Breite: bis zu 204 Meter 
  • Ursprüngliches Gewicht: rund 13.600 Tonnen 

Aufgrund ihrer Länge wird die F60 häufig mit einem „liegenden Eiffelturm“ verglichen. Nach Umbauten und dem Ausbau technischer Komponenten beträgt das heutige Gewicht der Besucheranlage etwa 11.000 Tonnen.

 

Die F60 Förderbrücke

Die F60 Förderbrücke zählt zu den bedeutendsten technischen Anlagen des deutschen Braunkohlebergbaus. Mit ihren außergewöhnlichen Ausmaßen gilt sie als die größte bewegliche Arbeitsmaschine ihrer Art weltweit und als bedeutendes Zeugnis der Industriegeschichte der Lausitz. Entwickelt und produziert wurde sie vom VEB Schwermaschinenbaukombinat TAKRAF Leipzig unter Beteiligung des VEB Bagger-, Förderbrücken- und Gerätebau Lauchhammer.

Insgesamt entstanden fünf Förderbrücken dieses Typs. Drei davon sind weiterhin in den Tagebauen Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde im Einsatz. Die Anlage im Tagebau Jänschwalde wurde 2026 zurückgebaut und gesprengt. Die letzte stillgelegte F60 befindet sich heute als Besucherbergwerk in Lichterfeld und dient als technisches Denkmal sowie als Erinnerungsort an die Bergbaugeschichte und den strukturellen Wandel der Lausitz.

 

Funktion und Arbeitsweise

Die Bezeichnung „F60“ verweist auf die maximale Abtragsmächtigkeit von 60 Metern. Die Förderbrücke diente dem kontinuierlichen Transport des Abraums – also der Erd- und Gesteinsschichten oberhalb der Braunkohle – von der Gewinnungsseite zur Verkippungsseite. Dadurch konnte das darunterliegende Kohleflöz freigelegt werden.

Der Abraum wurde zunächst von zwei Schaufelradbaggern gewonnen und anschließend über Querförderbänder auf die Förderbrücke übergeben. Insgesamt neun Förderbänder transportierten das Material innerhalb der Brücke mit einer Geschwindigkeit von bis zu 9 Metern pro Sekunde über die gesamte Anlage hinweg.

Die F60 bewegte sich auf Schienen durch den Tagebau. Insgesamt verfügte sie über 760 Räder, von denen 380 angetrieben wurden.

 

 

Die F60 als Besucherbergwerk

Die heute zugängliche Förderbrücke wurde zwischen 1989 und 1991 für den Tagebau Klettwitz-Nord errichtet. Sie wurde 1991 in Betrieb genommen und bereits 1992 stillgelegt. Hintergrund war der starke Rückgang des Braunkohlebedarfs infolge der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen nach der deutschen Wiedervereinigung. Zahlreiche Brikettfabriken und Braunkohlekraftwerke in der Region wurden geschlossen, wodurch auch der Tagebau seine wirtschaftliche Grundlage verlor.

Nach der Stilllegung verblieb die Förderbrücke zunächst im Tagebau. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land wurde sie im Jahr 2000 aus dem Tagebau herausgefahren und als Besucherbergwerk in Lichterfeld neu erschlossen.

Heute kann die Anlage im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Eine Aussichtsplattform in 74 Metern Höhe ermöglicht einen Überblick über das ehemalige Tagebaugebiet und den Bergheider See. Dieser entstand durch die Flutung des Restlochs des Tagebaus Klettwitz-Nord zwischen 2001 und 2014 und ist heute Teil der Lausitzer Seenlandschaft.

Zum Besucherbergwerk gehören außerdem weitere technische Anlagen und Fahrzeuge, darunter eine Gleisrückemaschine, ein Transportzug und ein ehemaliger Werkstattwagen der Brückenbesatzung. Dieser diente früher als Werkstatt-, Sozial- und Sanitärbereich und wird heute als Informations- und Ausstellungszentrum genutzt.

 

Erinnerungskultur und kulturelle Nutzung

Die F60 erfüllt heute nicht nur eine technische und historische Funktion, sondern ist zugleich ein Ort der Erinnerung an die Bergbaugeschichte der Lausitz und den Strukturwandel der Region.

Seit 2003 finden auf dem Gelände Licht- und Klanginstallationen sowie kulturelle Veranstaltungen statt. Darüber hinaus wird die Förderbrücke regelmäßig als Veranstaltungsort für Konzerte und Festivals genutzt. Die heutige Nutzung verbindet industriegeschichtliche Erinnerungskultur mit touristischen und kulturellen Funktionen.

 

Bedeutung für den Strukturwandel der Lausitz

Die Umnutzung der ehemaligen Tagebauanlage zu einem Besucherbergwerk steht beispielhaft für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandel in der Lausitz nach dem Rückgang des Braunkohlebergbaus. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land entwickelte sich die F60 zu einem der bekanntesten Projekte der Region. Darüber hinaus war sie Teil der EXPO 2000 in Hannover als offizielles Außenprojekt der Weltausstellung.

Heute gehört die F60 zur Europäischen Route der Industriekultur (ERIH – European Route of Industrial Heritage) und stellt ein bedeutendes Zeugnis der Industriegeschichte sowie des regionalen Wandels dar.

 

Zukunftsperspektiven am Bergheider See

Auch künftig soll das Gelände rund um die F60 touristisch und kulturell weiterentwickelt werden. Geplant sind unter anderem ein multifunktionales Ausstellungszentrum zur Bergbau- und Energiegeschichte der Lausitz, moderne Veranstaltungs- und Konferenzräume sowie zusätzliche gastronomische Angebote.

Darüber hinaus soll das Umfeld des Bergheider Sees weiter erschlossen werden. Vorgesehen sind unter anderem Radwege, Badebereiche, Ferienunterkünfte und ein Campingplatz. Gleichzeitig sollen große Teile der Uferbereiche als Naturraum erhalten bleiben.

Ein weiteres geplantes Projekt ist die Umnutzung ehemaliger Windkraftanlagentürme zu Ferienhäusern. Damit setzt die Region verstärkt auf touristische und nachhaltige Nachnutzungskonzepte als Teil des fortlaufenden Strukturwandels.

 

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